Ja, vielen Dank, dass Sie hergekommen sind – dass Sie die lange Reise bis hierher auf sich genommen haben. Brendan, ich sagte eben, Sie sind ein Pionier. Seit wann sind Sie Veganer? Das wüsste ich gern – seit 20 Jahren? Zunächst einmal „Guten Tag“ allerseits. Mein Deutsch ist nicht besonders gut, ich werde also Englisch sprechen, und Jens hier kann dann Deutsch sprechen. Ich lebe vegan, seit ich 15 bin, das sind jetzt also 24 Jahre. Ich habe also schon eine Weile Erfahrung damit. Wie haben Sie Kochen gelernt? Als Sie 15 Jahre alt waren? Ich habe Kochen gelernt, indem ich ein bisschen so für mich herumprobiert habe, ich habe keine formale Ausbildung als professioneller Koch. Ich habe einfach angefangen, selber Dinge zusammenzufügen, damit ich funktionieren konnte. Ich wollte gut arbeiten können, damit ich besserer Athlet werde. Das hat mich also dazu gebracht, zu kochen. Okay, mit 15 also, mit 15 haben Sie angefangen. Und wie ist das mit den Athleten. Können Athleten, die an Wettkämpfen teilnehmen, wirklich Erfolg haben mit dieser Art der Ernährung, einer pflanzenbasierten Diät? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Eine pflanzenbasierte Ernährung, das wissen Sie vielleicht, wird immer beliebter bei Athleten, und diejenigen, mit denen ich in Nordamerika arbeite, kommen sind sehr weit über die verschiedenen Sportarten verstreut: UFC, NFL, NHL, Major League (Kampfsportler, Fußballer, Hockeyspieler, Baseballspieler), Baseball, Olympioniken, und sie fangen an, sich sich so zu ernähren, weil es funktioniert. Sie fühlen sich besser, erholen sich schneller, sie schlafen besser, sind also nicht so müde, sie haben mehr Energie und kein Verlangen nach Koffein und Zucker. Viele von ihnen versuchen nicht, Veganer zu werden – wie das bei mir auch der Fall war: Ich habe nie versucht, Veganer zu werden. Ich wollte einfach den besten Ernährungsplan für mich, und ich hätte alles Mögliche gegessen, wenn ich gedacht hätte, es tut mir gut, als ich fünfzehn war und damit begann. Ich wurde also nicht Veganer, weil ich mir das zum Ziel gesetzt hatte, sondern ich wurde Veganer, weil ich als Endergebnis ein besserer Athlet werden wollte. Dies ist also meine Motivation gewesen. Was hat sich für Sie dann als Veganer und als Athlet verändert? Haben Sie etwas in Bezug auf Ihre Leistungsfähigkeit bemerkt? Als ich anfing, verschiedene Ernährungsformen auszuprobieren, bemerkte ich … ich habe einige unterschiedliche Diäten ausprobiert, wie zum Beispiel stark kohlehydrathaltige Ernährung, Ernährung mit nur wenigen Kohlehydraten, stark eiweißhaltige Ernährung, Ernährung mit nur wenig Eiweiß, ein großes Spektrum also, und nichts hat für mich richtig funktioniert, die eine Ernährung auch nicht besser als die andere, und dann habe ich es mit veganer Ernährung probiert. Und das zuerst auch nicht funktioniert, nein. Warum? Es hat nicht funktioniert, weil ich viele industriell verarbeitete Kohlehydrate gegessen habe, und ich war eine Art Junk-Food-Veganer. Man kann Junk-Food-Veganer sein und wir dadurch kein besserer Athlet. Ich schreibe im Buch darüber, dass man biologisch erzeugte Nahrungsmittel mit einer hohen Nährstoffdichte essen soll. Nährstoffe, Vitamine, Mineralien, Phytochemikalien und Antioxidantien. Das ist wichtig – es geht nicht nur um Kalorien. Das habe ich selber erst lernen müssen. Gut. Es ist sehr interessant, Wort wie Junk-Food-Veganer zu hören – das war mir neu. Aber ich würde gern wissen: Jens, was machen Sie denn gerade? … etwas Würziges … Meine Frage lautet: Die vegane Bewegung, ist das ein Phänomen des Moments, oder glaube Sie, es wird andauern und die Gesellschaft verändern? Na ja, ich denke, so wie ich das sehe, entwickeln sich mehr Menschen in die Richtung, dass sie eine pflanzenbasierte vegane Ernährung für sich wählen, und zwar aus den Gründen, die ich eben schon nannte: Weil es funktioniert, Athleten merken, dass sie sich sich schneller erholen, es geht ihnen besser, sie haben mehr Energie. Ich glaube aber auch, dass die Leute mehr über die Umweltressourcen lernen, und die Verschwendung von Land, Wasser, Treibstoff, fossiler Energie in Bezug auf die CO2-Emissionen, die entstehen. Ich glaube, die Menschen interessieren sich auf für die sozialen Aspekte der Ernährung – und das richtet sich eher an die Gesellschaft, denn es geht nicht nur um den Menschen, der die Nahrung zu sich nimmt, sondern um uns alle und um unsere Ressourcen. Ich glaube daher, dass es sich weiter großer Beliebtheit erfreuen wird. Ich weiß, Sie haben zweimal vor dem US-Kongress über Gesundheit und Ernährung gesprochen. Welche Punkte haben Sie dort angesprochen? Das könnte vielleicht eine interessante Frage sein. Ja, ich habe vor dem Kongress in den Vereinigten Staaten gesprochen, und das war eine interessante Diskussion, denn sie sind sich sehr wohl bewusst, dass unsere Ernährung Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. Sie waren sich dessen nicht immer bewusst, sie haben das einfach ignoriert, aber jetzt sind sie sehr …. sie haben es zur Kenntnis genommen. Es geht jedoch darum – und ich bin mir sicher, Sie hier sind sich dessen auch bewusst – es ist ein großes Geschäft mit dem Fleisch und mit Milchprodukten zu machen, und da gibt es mächtige Lobbyisten, die vieles verhindern können. Ich bin mir nicht sicher, wie das in Deutschland funktioniert, aber in Nordamerika gibt es viele Subventionen. Sie halten den Preis von Fleisch zum Beispiel künstlich sehr niedrig. Wenn es den Preis kosten würde, den es in Wirklichkeit auf dem freien Markt wert wäre, und man dann noch das Land,Wasser, fossile Energien, die alle sehr teuer sind, einpreisen würde, dann wäre Fleisch sehr teuer – ein Hamburger würde 35 Dollar kosten. Und das könnten die Leute sich nicht leisten. Daher müssen sie mit Hilfe von Subventionen den Preis niedrig halten. Und dann ist es kein freier Markt mehr. Wir haben also … ich habe nicht so sehr über Ernährung gesprochen, sondern vielmehr über den freien Markt und darüber, dass man effizienteren Nahrungsmittelherstellung an die Spitze kommen lässt – und das ist die pflanzenbasierte Ernährung. Aber ich habe eher über den freien Markt argumentiert als über die Ernährung. Das war eine Frage zum Frühstück. Ich würde gern wissen: Integrieren Sie wirklich diese Gerichte in Ihr eigenes Leben, mit Ihrer Familie, mit Ihren Freunden, kochen Sie wirklich so? Na ja, einer der guten Aspekte an dieser Art, sich zu ernähren ist, dass man sich nicht wirklich an die Rezepte halten muss. Die Rezepte richten sich an Leute, die Rezepte möchten. Ich benutze nicht mehr so viele Rezepte. Ich esse immer mal etwas während des ganzen Tages, ich reise viel und folge den Prinzipien dieser Ernährung, aber … zum Frühstück esse ich allgemein ein paar Nüsse und Samen, dieser Pudding ist … … also nicht diesen Pudding … Ja, dieser Pudding ist ganz leicht herzustellen, denn wie Sie sehen, mischt man einfach alles zusammen, das ist sehr einfach. Drei oder vier Minuten denke ich, oder? Ja, richtig. Wir brauchen also so einen Mixerß Ja, für diese Art von Pudding braucht man einen Mixer, oder es tut auch ein einfacher Küchenmixer. Es muss nichts Aufwändiges sein. So, das war also das Frühstück in der Familie, das Frühstück zu Hause, und was machen Sie, oder was essen Sie, wenn Sie unterwegs sind? Sie fahren ja Fahrrad. Ja. Fahrradfahren … ich … häufig … ich esse sehr einfach, wenn ich unterwegs bin. Ich habe gelernt, einfache Nahrungsmittel wertzuschätzen, denn wenn man anfängt, so zu essen, bemerkt man langsam den Geschmack der verschiedenen Nahrungsmittel, und in dem Buch spreche ich von Rekalibrierung. Das bedeutet, der Gaumen verändert sich, er wird empfindlicher, und man fängt an, Geschmäcker in einfachen Nahrungsmitteln wahrzunehmen. Salat zum Beispiel – man kann unterschiedliche Sorten schmecken – einige schmecken eher salzig, andere haben eher einen Zitrusgeschmack. Wenn man standardmäßig gemäß einer westlichen Ernährungsweise isst, dann sind die Geschmacksnerven so überladen, dass man diese feinen Geschmäcker gar nicht mehr gewohnt ist. Es ist also das Rekalibieren, denke ich, das Teil des Prozesses ist und das das Ganze viel einfacher macht. Ist das das, was Sie Ernährungsstress nennen? Ist Geschmack Ernährungsstress? Wenn man nicht genug Nährstoffe bekommt, Vitamine, Mineralien, Phytochemikalien, Antioxidantien, kann das dazu führen, dass Cortisol, das Stresshormon, steigt. Und wenn die Cortisolwerte steigen, dann schläft man nicht ausreichend tief, man erreicht nicht die tiefe Delta-Phase des Schlafs – viele von uns erreichen diese Phase nicht mehr, man wacht auf, man ist immer noch müde, und man hat ein Verlangen nach Kaffee und Zucker. Man sollte also versuchen, die Ursache dieses Problems zu behandeln, nicht das Symptom– keinen Kaffee zu trinken, keine zuckerhaltige Nahrung zu sich zu nehmen bedeutet, die Symptome der Müdigkeit zu behandeln, nicht die Ursache. Die Ursache ist zu viel Stress, das Cortisol-Level muss man also senken, indem man den Stress senkt, dann schläft man tief. Und das kann man erreichen, indem man sich gut ernährt. Nahrung war früher ein Synonym für Ernährung, aber das ist nicht mehr der Fall. Man kann viel Nahrung zu sich nehmen, das bedeutet aber nicht, dass man sich gut ernährt. Das ist ein Problem. Wer könnte das besser sagen als ein Athlet, ein Sportler. Diese vegane Art der Ernährung, sie gibt Ihnen mehr Energie, nehme ich an. Ja. Hier geht es um das große Ganze, nicht darum, etwas schnell zu reparieren. Das Cortisol-Level geht herunter, wenn man sich gut ernährt, wenn man Speisen mit großer Nährstoffdichte isst. Man schläft besser, tiefer, man erreicht die Delta-Phase, die Qualität steigt also, und damit sinkt die Quantität. Man kann also auskommen mit sechs bis sieben Stunden Schlaf pro Nacht, und es geht einem richtig gut, denn man verbringt einen großen Teil dieser Zeit im Delta-Zustand. Dann ist man ausgeruht und hat die Ursache des Problems behandelt. Man hat mehr Energie, und man ist nicht von Stimulanzien wie Koffein und Zucker abhängig. Koffein ist nicht unbedingt schlecht – direkt vor einer anstrengenden Trainingseinheit, vor einem Rennen, in solchen Situationen, in denen man Extra-Energie benötigt. Aber man leiht sich etwas, man bekommt die Energie aus der Zukunft. Es ist wie das Einkaufen mit einer Kreditkarte, man kauft jetzt, aber später muss man bezahlen. Ha ha, Einkaufen mit einer Kreditkarte … ha ha .. Man sollte also sicherstellen, dass man die Energie durch die Ernährung erhält, nicht durch Stimulanzien. Das ist ein sehr schönes Bild, es gefällt mir. Also, Jens, was machen wir hier – ich habe einige Nüsse gesehen, ich habe einige …. Gesehen, was machen Sie hier? Sie kommen aus Kanada, aber Sie leben jetzt in den USA. Wo leben Sie? In Los Angeles. In Los Angeles. Dort leben viele Schauspieler, viele Sportler, erhalten Sie viele Anfragen zur veganen Ernährung von diesen Gruppen? Es ist ganz gut anerkannt, und es ist leicht umzusetzen. Es gibt viele Märkte, wo es frische Sachen zu kaufen gibt, und es gibt ziemlich viele Athleten, Profis, die sich zunehmend dafür interessieren. Nicht so sehr dafür, vegan zu leben, sondern dafür, eine bessere Leistung zu erbringen, und sie merken, dass sie das erreichen, wenn sie sich so ernähren. Nicht viele Athleten, mit denen ich arbeite, ernähren sich komplett vegan, aber überwiegend tun sie das schon. Sie ernähren sich zunehmend so, und ich denke, innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre werden sie Veganer sein. Okay. Sehr interessant. Mit welcher Art von Sportler arbeiten Sie zusammen? Mit Radfahrern, oder … welche …. Ja, mit Radfahrern … ich bin nicht sicher, ob hier jemand Profi-Radfahren verfolgt, aber das … Team, das US-amerikanische Team, mit denen arbeite ich zusammen. Auch mit UFC-Kämpfern, mit Männern und Frauen, das wird gerade sehr populär. Sehr beeindruckend. Ich spreche gerade über die Bücher vom Narayana-Verlag, und wir warten mal ab, ob Sportler hier in Europa auch mit dieser Ernährungsweise arbeiten. Warten wir es mal ab So, eine Frage noch: Wir sehen hier Nüsse und Früchte und so weiter. Wo kaufen Sie Ihre Nahrungsmittel? In einem normalen Supermarkt? Ja, das gute daran ist, man kann die meisten Zutaten in einem normalen Supermarkt kaufen. Einige, wie zum Beispiel Maca, das ist ein Wurzelgemüse und kommt aus Peru, das findet man vielleicht nicht so leicht. Aber man muss nicht unbedingt diese Sachen verwenden. Es sind einfach einzelne Zutaten, die man hinzufügen kann, man muss es aber nicht. Man kann so ungefähr alle Zutaten in einem normalen Geschäft kaufen. Sie sagen, ungefähr 90 % der Zutaten kann man in einem normalen Supermarkt kaufen? Wirklich. Okay. Ich wüsste natürlich gern – die wichtigsten Prinzipien Ihrer Thrive-Diät … ich hoffe, ich spreche es richtig aus … Thrive-Diät? Ja, das ist richtig. So, die wichtigsten Prinzipien – einige Worte darüber. Ja, also, die wichtigsten Prinzipien dieser Art der Ernährung, und das sind Dinge, die ich im Laufe der letzten 15 Jahre entwickelt habe: Das erste Prinzip ist Ernährung, die einen hohen Netto-Gewinn bietet. Hoher Netto-Gewinn bedeutet, dass man Nahrungsmittel zu sich nimmt, die für ihre Verdauung so wenig Energie wie nötig in Anspruch nehmen und aus denen man die meisten Nährstoffe gewinnt, also Vitamine, Mineralien, Phytochemikalien und Antioxidantien. Anstatt dass man also Nudeln, Brot und Erdnussbutter und andere hochkalorische Nahrungsmittel isst, habe ich umgestellt auf Linsen, Leguminosen, Bohnen, Erbsen, Quinoa, Amaranth, Buchweizen – die Kohlehydrate, die sauber verbrennen. Sie sind einfacher zu verdauen, weil es kein Getreide ist, und sie enthalten einen höheren Nährwert. Man verbraucht also weniger Energie und gewinnt mehr Nährstoffe. Das ist also eine der Grundlagen. Eine der Grundlagen … So, Sie essen also so etwas direkt aus dem Gefrierschrank, und es ist gefroren? Ja, man die im Gefrierschrank aufbewahren, weil sie essentielle Fettsäuren enthalten. Daher gefrieren sie nicht komplett. Man kann sie also herausholen und einfach hineinbeißen. Man kann sie also mitnehmen zum Skilaufen oder zum Fahrradfahren im Winter, sie gefrieren nicht komplett. Aber im Kühlschrank oder im Gefrierschrank halten sie gut zwei Monate. Gut zwei Monate? Sprechen wir mal über die Nüsse. Erzählen Sie mal, was ist das Besondere an diesen Nüssen? Das hier sind offensichtlich Cashew-Nüsse, aber Sie können auch Walnüsse verwenden, oder auch Mandeln, es ist eigentlich egal. Aber das gute an Nüssen, und die meisten von Ihnen wissen das wahrscheinlich, ist, dass sie Proteine enthalten und auch Fettsäuren. Als Athlet habe ich versucht, meinen Körper dazu zu bringen, dass er Fett effizienter verbrennt und als Treibstoff nutzen kann, denn dann passiert Folgendes: Es spart Glykogen, und Glykogen speichert Kohlehydrate in den Muskeln. Wenn man also diese Sachen ist und lange trainiert, wird der Körper sehr effizient und spart Glykogen, daher kann man länger weitermachen, ohne dass man ermüdet oder aufhören muss – das haben Sie vielleicht schon gehört – das passiert, wenn die Kohlehydratspeicher geleert sind. Man kann den Zeitpunkt hinauszögern, zu dem das passiert, und dem Körper beibringen, Fett zu verbrennen. Man schafft das zum Teil, indem man Nahrungsmittel mit qualitativ hochwertigen Fetten isst, begleitet von dem richtigen Training. Das macht also einen großen Unterschied. Interessant. Cremigkeit – ist das auch etwas, das interessant sein könnte? Ja, Cashewnüsse werden weich, wenn man sie einweicht, und wenn man sie dann in den Mixer dazu gibt, kann das ein Ersatz für Sahne sein. Man kann Cashew-Creme machen, dann bekommt man wirklich gutes Fett und Fettsäuren, es ist roh, man kann es leicht verdauen und verstoffwechseln, und natürlich ist es kein Milchprodukt und daher gut. Sprechen wir mal von etwas anderem. Wir haben schon von Nüssen gesprochen, auch über Früchte. Nun, wie kann ich zum Beispiel Eier ersetzen, wenn ich Pfannkuchen machen möchte? Was machen Sie dann? Nun, ein guter Ersatz für Eier ist entweder Flachs oder Chia, und wenn man einen Esslöffel Leinsamen oder Chia nimmt und es quellen lässt, bekommt es eine Konsistenz wie Gelatine und wirkt und bindet dann. Das kann man also anstatt eines Eis verwenden, und es funktioniert sehr gut. Okay. Sehr interessant, das habe ich noch nie gehört. Und was machen Sie mit Käse? Käse… Ich mag Käse, ich liebe Käse, was machen Sie dann also bei der veganen Ernährung? Naja, eines der Dinge, die die Leute verwenden, ist Nährhefe, weil sie diesen käseartigen Geschmack hat, ein wenig wie die Labbakterien des Käses. Wenn man also Nährhefe mit Cashews mixt, und man kann dann noch einen Bakterien-Starter dazugeben, dann bringt man diese drei Zutaten dazu, dass sie ein wenig fermentieren. Damit kann man dann seinen eigene Käse aus Nüssen herstellen. Sie sagen also, es ist möglich. Ist es denn möglich, wenn man zum Beispiel eine Pizza machen möchte … wie macht man eine vegane Pizza? Pizzas gehören zu den Lieblingsrezepten in meinem ersten Buch hier. Ich mache den Teig mit Samen und Nüssen, und mit Walnüssen, Sonnenblumenkernen und Rüben. Die Proteine sind im Teig, es gibt kein Mehl, man muss nicht warten, bis der Teig gegangen ist, man hat die Proteine im Teig. Dann belegt man den Teig mit Gemüse und backt alles. Es schmeckt wirklich gut. Okay. Gibt es eine vegane Pizza, die Sie traditionell zu Hause herstellen? Ja, wenn ich eine Weile zu Haue bin, dann backe ich auch Pizza. Wenn ich unterwegs bin, eher nicht. Nein, unterwegs eher nicht. Ja, wir haben hier das Fahrrad, und zu versuchen, auf dem Fahrrad zu essen … das wäre sehr lustig. Sprechen wir mal über Super-Foods. Ich denke, Sie haben davon gehört. Was sind diese so-genannte Super-Foods? Super-Foods, das kommt ganz auf die Definition an. Meine Definition von Super-Foods ist: Etwas, das eine hohe Nährstoffdichte hat. Nährstoffe, Mineralien, Vitamine, Phytochemikalien, Antioxidantien sind viel enthalten, Kalorien sind wenige enthalten. Grünkohl zum Beispiel hat einen hohen Nährstoffgehalt im Vergleich zu den enthaltenen Kalorien, daher ist es ein Super-Food. Limo zum Beispiel ist das Gegenteil – es enthält viele Kalorien, aber sehr wenig Nährstoffe. Manche Leute halten Super-Foods für exotische Lebensmittel wie Chia und Goji-Beeren, das muss es aber nicht sein. Es kann auch einfach Gemüse sein, Spinat zum Beispiel ist ein Super-Food, oder auch anderes Gemüse, das ist Super-Food. Wenn man sich einmal anschaut, wie viele Kalorien im Vergleich zu Nährstoffen enthalten sind. Okay. Gut, sprechen wir über Gemüse. Sie sagten eben, Gemüse und Spinat, und wir haben hier Zucchini. Jens, was machen wir jetzt? Wir haben eine grüne und eine orange. Was halten Sie von Rohkost? Ich denke, Rohkost ist gut, Rohkost ist wichtig, aber ich denke auf keinen Fall, man muss ausschließlich Rohkost essen. Ich denke, wenn man einen großen Teil seiner Ernährung in Form von Rohkost zu sich nimmt, wie zum Beispiel Salate, rohes Gemüse, rohes Obst, besonders rohes Fett … das ist etwas, das ich immer roh esse, denn einige Fette, wie Nüsse zum Beispiel, wenn man sie röstet, ist es schwieriger für den Körper, sie zu verdauen, und er kann dann nicht so gut funktionieren. Der Körper kann diese Fette dann nicht so gut verstoffwechseln, wie wenn man sie roh ist. Fett ist also etwas, das ich immer roh esse. Wenn man nun also so etwas zubereitet und keine Zucchini hat, denken Sie, es ist möglich, auch ein anderes Gemüse zu verwenden? Jedes Gemüse, wenn Sie keine Zucchini haben. Ja, Sie können hier eine Möhre verwenden oder auch eine Gurke. Ich habe auch schon gesehen, dass Leute Broccoli-Stiele verwendet haben oder sogar Stiele von anderem Gemüse, von dem man die Blätter gegessen hat. Man kann den Stiel verwenden und etwas daraus machen. Ja. Es ist natürlich sehr wichtig, saisonal einzukaufen. Kaufen Sie saisonal und regionale Gemüse ein? Wie kaufen Sie ein? Gehen Sie auf den Markt? Ja, saisonal ist natürlich gut, wenn man die Möglichkeit hat und auf Bauernmärkte gehen kann. Ich ziehe, wenn ich die Wahl habe, lokale und frische Produkte Nicht-Bio-Produkte solchen Bio-Produkten vor, die vor langer Zeit an einem weit entfernten Ort geerntet wurden. Das ist … manchmal fragt man mich, muss es Bio sein? Ich glaube, das muss es nicht, so lange es von lokalen Bauern in kleinen Betrieben angebaut wird. Viele kleine Betriebe können sich keine Bio-Zertifizierung leisten. In Nordamerika findet man da wirklich gute Betriebe, die keine Pflanzenschutzmittel oder Schädlingsbekämpfungsmittel verwenden, die es sich aber nicht leisten können, sich zertifizieren zu lassen. Das ist in Ordnung, wenn man bei ihnen kauft, wachsen sie und können es sich schlussendlich leisten, und das ist gut. Okay, Jens, was machen Sie? Sie geben die Nüssen und etwas Zitrone in den Mixer? Sprechen wir mal über Jens, denn … Ich habe eben über diese „normalen“ Leute gesprochen, die sich vegan ernähren. Sehr interessant für mich natürlich, es ist ein bisschen neu. Haben Sie viele Freunde, die sich vegan ernähren, oder … Ja, viele Leute, die ich kenne, Freunde, haben angefangen, es ein bisschen zu versuchen, einfach um zu sehen, wie es ihnen damit geht. Ich habe bemerkt, dass die meisten erst skeptisch sind, dann probieren sie das eine oder andere aus, und es geht ihnen gut, dann machen sie weiter. Ich möchte sagen, das hier muss man nicht 100% machen. Selbst wenn man nur einige wenige Ideen aus dem Buch umsetzt, hilft das schon. Sie sollen nicht das Gefühl haben, dass Sie sich ganz hineinstürzen müssen und alles genau so umsetzen müssen, wie es im Buch steht. Sie können einfach auch zwei oder drei Sachen mal ausprobieren, das ist in Ordnung. Sie werden trotzdem Ergebnisse sehen. Wir gehen mal dort hin. Brendan, ich nehme Ihnen das mal grad ab, und ich würde gern sehen, wie sie hier auf unserem Spinning-Rad fahren. Ich würde das gern sehen. Vielen Dank, Brendan, dass Sie hier waren und sich mit uns auf der Frankfurter Buchmesse unterhalten haben. Es sieht gut aus – es ist kein neues, nehme ich an, Sie sind an andere gewöhnt. Es ist eines aus den Siebzigern, glaube ich. Aus den Siebzigern. Vielen Dank. Sie können mit uns kommen und Jens in der Küche lassen…