Dreckig, abgewohnt, verkeimt: So tricksen Hotels
bei Sauberkeit und Sternen. Es ist für ein 4-Sterne-Hotel,
auch für ein 1-Stern-Hotel, nicht angemessen. Das geht nicht,
das darf nicht passieren. Miese Qualität – wie manche
Restaurants ihre Gäste abzocken. Mir ist es ein rotes Tuch, wenn Leute mit falschen Produkten
ins Restaurant gelockt werden. Und: gekaufte Hotel-Bewertungen – so werden Urlauber
hinters Licht geführt. Das darf nicht sein. Echte Schweinerei. Untertitel:
Norddeutscher Rundfunk 2018 Zu einem richtig schönen Urlaub
gehört für viele ein gutes Hotel. Sauber, guter Service
und Wohlfühlatmosphäre. Doch was, wenn der ersehnte Urlaub
zum Horrortrip wird? Das Zimmer war schimmelig,
schmutzig und nicht gereinigt. Im Badezimmer, Haare. Und es waren nicht Ihre?
Es waren nicht meine. Fremde Haare im Bett? Hatten wir auch schon,
im 4-Sterne-Haus. Ich hatte Ameisen
auf dem Kopfkissen. Dreckig, alt und abgewohnt: Wie Hotels bei Ausstattung
und Sternen tricksen. Er kennt
die Schwachstellen der Hotels: Über 1200 Hotels
prüfen er und sein Team jedes Jahr. Eine große Schwachstelle ist, dass die Hoteliers
unzureichend investieren. Die bauen ein Hotel,
in den 90ern, 70ern, 80ern. Dann kommen Gäste,
das Hotel ist ausgebucht. Es wird aber nichts reinvestiert. Und dann kommt es dazu,
dass die Zimmer abgerockt sind, dass es unsauber ist,
dass Schludrigkeit Einzug hält. Das sind die größten Probleme. Wir wollen es genau wissen und checken mit Olaf Seiche in
drei 4-Sterne-Hotels im Norden ein. Das “Hotel Schloß Klink”
an der Mecklenburger Seenplatte. Am Dieksee
das “Wyndham Garden Bad Malente”. Und am Timmendorfer Strand
das “Maritim Seehotel”, 4-Sterne-Superior. Zuerst das Schlosshotel
mit Orangerie in Klink. Schon von außen ziemlich ungepflegt. Hier kostet das Doppelzimmer
mit Frühstück 169 Euro die Nacht. So, dann wollen wir mal schauen. Der erste Eindruck vom Zimmer: Modern ist anders, ne? Hat ‘n bisschen was
von 70er/80er mit dem Lindgrün. Schauen Sie mal da oben,
der Riss die komplette Decke entlang. Die Einrichtung, inklusive Teppich –
alt und abgewohnt. Auch der Balkon ist
wenig einladend und dreckig. Im Bad:
eine schmutzige, kaputte Decke. Die Dusche: abgeplatzt und schimmlig. Im Waschbecken: ein Riss. Erster Eindruck: Das ist übriggeblieben
aus der Vergangenheit. Die Farben passen
zu früheren Jahren, die Ausstattung passt dazu. Es ist etwas abgewohnt, nicht schön. Für ein 4-Sterne-Hotel enttäuschend,
findet unser Experte. Ganz anders der erste Eindruck
vom Doppelzimmer im Wyndham Garden Hotel in Malente. Wow, das ist ja groß. Groß und scheinbar frisch gestrichen. Sieht gar nicht schlecht aus. Doch nur auf den ersten Blick. Uaah! Äh, was ist das? Kaputt ist das. Das sieht von außen,
wenn man so reinkommt, edel aus. Schick und neu. Neu ist es vielleicht,
aber es ist das billigste Material. Und das bei 119 Euro
das Doppelzimmer inklusive Frühstück. Auch der Balkon ist
nicht gut in Schuss. Das ist ja krass. Das ist rostig. Da sieht es nicht lecker aus.
Zigarettenstummel überall. Was ist das denn da? Krass! Da ist die Abdeckung weg.
Da fehlt was. Hier will man sich
nicht aufhalten, oder? Da hilft auch der Ausblick nicht. Das dritte Hotel: Das Maritim Seehotel
am Timmendorfer Strand. 4-Sterne-Superior. Auf dem Flur werden wir
von Putzlappen begrüßt. Der Doppelzimmerpreis
mit Frühstück: stolze 280 Euro. Der nächste Knaller
an der Eingangstür. Was ist das denn?
Das sind Einbruchsspuren. Ach. Und das nicht nur von einem Mal. Ein toller Ausblick, aber das Mobiliar ist abgeschrammt
und in die Jahre gekommen. Dreckige Rohre, abgeplatzte Farbe,
ein demolierter Schrank. Hier fängt es schon an. An der Arbeitsfläche
ist Lack abgeplatzt, an der Kante ist es unsauber. Der Lack ist ab.
Der ist definitiv ab. Und das an jeder Ecke. Der Charme von vor 50 Jahren. Bei den Möbeln weiß man gar nicht, wo man anfangen
und wo man aufhören soll. Wie sieht’s im Bad aus? Wenn ich mir
die Duschtür angucke … Ist das normal? Nein, das ist nicht normal,
die ist aus der Führung raus. Alle drei Hotels werben damit,
vier Sterne zu haben. Die vergibt nur der
Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Doch entsprechen
die von uns getesteten Hotels bei diesen Zuständen
den geforderten 4-Sterne-Kriterien? Wir zeigen die Aufnahmen
Robert Cordes. Der Zustand des Inventars,
der Möbel, der Einrichtung, starke Abnutzungsspuren
sind hier zu sehen: Das geht
für ein 4-Sterne-Hotel nicht. Für die Sternevergabe gibt’s einen
klar geregelten Kriterienkatalog. Ein Punkt darin: “Investitionsstau”
darf nicht ersichtlich sein. Und wie sieht es mit
den anderen 4-Sterne-Kriterien aus? Das prüfen wir. Zuerst im Maritim. Abgesehen
vom deutlichen Investitionsstau: Die geforderte Zimmergröße,
Kopfkissenauswahl und Minibar: Vorhanden. Im Wyndham in Malente
fehlt die Minibar. Das gibt’s ja nicht. Das fehlt. Das ist eine Mindestanforderung,
also das muss erfüllt werden. Im Schlosshotel in Klink fehlt in
unserem Zimmer nicht nur die Minibar, sondern auch eine Verdunklung. Die machen nicht richtig dunkel. Von daher würde ich
da schon das nicht zulassen. Das wäre für mich ein Minus. Wir fragen an der Rezeption nach. Sie sind aber schon
ein 4-Sterne-Hotel? Weil wir gar keine Minibar haben? Ja, sind wir. Und wo ist Ihre Sterne-Plakette? Ähm, die haben wir nicht. Und im Schlosshotel Klink: Wo kann man
Ihre Dehoga-Sterneplakette sehen? Wo hängt die? Die Plakette haben wir
nicht draußen hängen. Aber wir sind ein 4-Sterne-Hotel. Verdächtig. Denn Sterne-Hotels müssen alle
drei Jahre neu zertifiziert werden und bekommen dann vom Dehoga eine
Plakette wie diese hier am Maritim. Wir recherchieren. Und tatsächlich: Das Wyndham in Malente
und das Schlosshotel in Klink werben mit Sternen,
die sie gar nicht haben. Das Schlosshotel Klink
versucht sich zu erklären: Die Fehlinformation
der Mitarbeiterin sei … Und es sei … Und das Wyndham schreibt: Der Mitarbeiter sei fälschlicherweise
davon ausgegangen, dass … Immer wieder
werben Hotels mit falschen Sternen und führen damit Gäste in die Irre. Was sagt
der Deutsche Hotelverband dazu? Und was tut er dagegen? Hoteliers, die mit eigenmächtig
anerkannten Sternen werben, die tun dies wettbewerbswidrig. Was machen Sie
mit diesen Hotels? Die Hoteliers werden von der
Wettbewerbszentrale aufgefordert, eine strafbewährte
Unterlassungserklärung abzugeben. Wenn sie die abgeben, dürfen sie
nicht mehr mit Sternen werben. Sollten sie weiterhin damit werben,
werden Vertragsstrafen fällig. Wir zeigen ihr auch die Aufnahmen
von unserem Zimmer im Maritim Hotel, vom Verband offiziell
als 4-Sterne-Superior klassifiziert. Stichwort Investitionsstau. Da ist seit Jahren
nichts gemacht worden. Das darf auch nicht sein
laut Ihrer Klassifizierung. Kriegen Sie kein schlechtes Gewissen? Ein schlechtes Gewissen
bekomm ich nicht. Ich bin trotzdem erstaunt, dass
so ein Hotel klassifiziert wurde. Deshalb muss diesem Einzelfall
nachgegangen werden. Das Maritim versichert uns,
es sei … Ausstattung ist das eine,
noch wichtiger: die Sauberkeit. Die muss laut Kriterienkatalog
ab Stern eins stimmen. Wir nehmen
in allen drei Hotels Proben und geben sie ins Labor. So viel können wir schon sagen:
Appetitlich wird’s nicht. Auch der Restaurantbesuch
soll etwas Besonderes sein. Das darf dann gerne
auch mal etwas mehr kosten. Wie oft gehen Sie
in Restaurants essen? Einmal die Woche. Einmal die Woche. Wir gehen häufig essen –
so jedes zweite Wochenende. Wie viel Geld geben Sie aus? Zu zweit? Zu viel.
Vielleicht 60 Euro. Zwischen 150 und 250 Euro. Was erwarten Sie vom Essen? Dass es schmeckt. Wir hoffen, dass wir
hochwertige Produkte bekommen. Ob das immer so ist,
lass ich mal dahingestellt. Ist das Essen
im Restaurant immer lecker? Bekommt der Gast immer das,
was die Speisekarte verspricht? Wir fahren
nach Tangstedt bei Hamburg. Koch Matthias Gfrörer
verwöhnt in seinem Landgasthof die Gäste mit regionalen Speisen. Der Gastronom weiß: V.a. mit teuren Produkten
wird in Restaurants oft getrickst. Ein Beispiel: Lammfilet. Warum kann man Filet
durch Keule ersetzen? Die sehen unterschiedlich aus. Man sollte das nicht machen. Die Form des Filets
ist ja entscheidend, dass man es erkennt als Gast. Aber wir haben in der Keule
auch zarte Stücke, Kurzbratstücke, die kann man zurechtputzen. Dann bietet man
einen Lammfilet-Spieß an, schneidet es kleiner
und spießt das auf. Schon denkt der Gast,
sobald es so zart ist, das wird wohl Filet sein. Wie viel spart da
der Restaurantbesitzer? Es sind schon 200 Prozent. 200
Prozent? Auch bei Plattfischen
wird manchmal geschummelt. Scholle und Rotzunge –
eher günstige Fische – sehen der teuren Seezunge
sehr ähnlich. Die hier hat 40 Euro gekostet. Was ist ‘ne echte Seezunge? Die einzige echte Seezunge
ist die Solea solea, diese hier. Das ist eine steinfarbene,
schlanke, festfleischige Fischsorte. Warum wird
bei der so gerne getrickst? Der Fisch ist rar,
er wächst sehr langsam und ist dementsprechend teuer. Welcher Fisch wird
stattdessen gerne verwendet? Wir haben einen “Schwesterfisch”. Die Rotzunge hat nur
in der Kopf- und Körperform ein bisschen ‘ne andere Struktur. Das ist eine Gattung,
die in jedem Meer zu kriegen ist. Die ist sehr gut
zu vertauschen damit. Wie groß ist der Preisunterschied? Da liegen wir bei über 400 Prozent. Der Preisunterschied ist riesig: Ein gutes Geschäft
für unehrliche Gastronomen. Wird in norddeutschen Restaurants
so dreist getrickst? Das wollen wir herausfinden, besuchen Gaststätten
in Hamburg und Umgebung. Damit mich niemand erkennt, lasse ich mich
in der Maske des NDR umstylen. Ab jetzt sind wir
undercover unterwegs, ausgestattet
mit versteckten Kameras. Matthias und ich
besuchen als Erstes ein Restaurant in einem beliebten
Hamburger Stadtviertel. Die Speisekarte dieses
italienisch-griechischen Lokals ist umfangreich,
die Gerichte eher günstig. Und es gibt auch Seezunge. Wir bestellen die Seezunge,
angeblich aus dem Atlantik. Dazu einen Lammfilet-Spieß für
19 Euro und Rinderfilet für 24,50. Als Erstes die Fleischgerichte: Auch bei Filet
wird gerne geschummelt. Wir sind gespannt, ob wir bekommen,
was auf der Karte steht. Dieses Stück Fleisch ist sehnig, ganz anders
als bei einem echten Filet. Wieder kein Filet,
sondern ein Stück aus der Hüfte. Das kostet pro Kilo
rund 12 Euro weniger als das Filet. Jetzt die Seezunge. Ob die echt ist,
erkennt der Profi schon an der Form. Seezungen-Fleisch ist fest. Dieser Fisch hier
zerfällt aber auf dem Teller. Ein eindeutiges Zeichen. Für 16 Euro, kein Wunder. Eine echte Seezunge ist
einer der teuersten Speisefische. Die würde im Restaurant
mindestens das Doppelte kosten. Der Verdacht:
Wir wurden getäuscht. Den Fisch lassen wir
in einem Labor untersuchen. Nachfrage bei der Kellnerin:
War das wirklich Seezunge? Nein, doch nicht für den Preis. Aber da steht auch Atlantik-Seezunge
– nicht Nordsee. Unwissenheit oder Ausrede? Fest steht: Die Seezunge
kommt auch im Atlantik vor. Der Chef kennt
den Trick mit der Seezunge. Dass er ihn anwendet,
will er nicht zugeben. Ich habe den Laden seit 41 Jahren. Wir hatten noch nie ein Problem,
auch mit dieser Benennung. Wenn das störend ist,
streiche ich das weg. Statt Atlantik-Seezunge
will er nur Atlantik-Zunge schreiben. Auch das wäre falsch,
zeigt das Laborergebnis. Statt Seezunge wurde uns ein Plattfisch
aus dem Pazifik aufgetischt. Billige Importware aus Neuseeland, die nur ein Viertel
einer echten Seezunge kostet. Dazu schreibt uns
das Restaurant nur allgemein: Das nächste Restaurant. Hier gibt es
Scampi vom Grill für 17,90 Euro. Scampi sind teuer,
deshalb wird auch hier geschummelt. Matthias fragt
beim Restaurantinhaber nach. Sind Sie sicher,
dass das echte Scampi sind? Natürlich, die sind
vielleicht nur etwas kleiner. Aber das sind Scampi. Würden Sie uns die Ware zeigen? Wir sind vom NDR
und testen Restaurants. Der Inhaber gibt sich gelassen, will uns als Beweis
in der Küche die Verpackung zeigen. Das ist die Packung.
Oh, da steht ja Garnelen drauf. Dann haben Sie
doch Garnelen bekommen. Jetzt muss er
den Schwindel doch zugeben, zeigt uns sogar
eine andere Speisekarte. Das Problem war ihm
wohl doch bekannt. Sie hatten die alte Karte. In dieser hier steht Garnelen. Die sollte heute raus,
ist aber noch nicht fertig. Das kontrollieren wir
einige Wochen später. Tatsächlich: Zehn gegrillte Garnelen
stehen jetzt auf der Karte. Allerdings ist
das Gericht teurer geworden. Komisch, dabei sind Garnelen
doch viel günstiger als Scampi. In diesem Restaurant bestellen wir
eine Krabbensuppe für 4,30 Euro. Doch diese Krabben
sehen nicht aus wie Krabben. Unsere Laborergebnisse beweisen:
Es handelt sich um Tiefsee-Garnelen. Das Restaurant gibt uns gegenüber zu: Die Suppe hätte … Außerdem werden sie die Suppe … Unser Test hat gezeigt: Bei Fisch und Fleisch wird
in einigen Restaurants getrickst. Mit einem Koch an der Seite
bemerkt man den Schwindel. Doch erkennt das auch ein Laie? Jetzt wird gekocht. Matthias und ich
bereiten Trickspeisen vor. Als Erstes: Scampi und Garnelen. Gäste sind eingeladen
und sollen unsere Gerichte bewerten. Dass getrickst wird,
wissen sie nicht. Auf die dunklen Teller
kommen unsere Garnelen. Jeder Gast bekommt zwei Teller: Auf dem weißen der echte Scampi,
auf dem schwarzen die Riesengarnele. Die kostet pro Kilo knapp 10 Euro,
der Scampi das Vierfache. Wir haben hier Blattsalat mit gebratenen Scampi
und Mango-Vinaigrette. Guten Appetit. Fällt den Testessern
der Schwindel auf? Erkennen sie die echten Scampi? Wie hat es gemundet?
Ihr Eindruck? Beides sehr lecker. Haben Sie
den Unterschied geschmeckt? Der bessere Scampi war …
Der war besser von der Konsistenz. Wie war die? Bissfester. Der Salat hat bei beiden
gleich gut geschmeckt. Das schmeckt mir sehr gut. Besser als das
auf dem anderen Teller? Ja. Für mich war auch der Scampi
auf dem rechten Teller fester und daher angenehmer
von der Konsistenz her. Dreimal falsch, auf dem
schwarzen Teller liegt die Garnele. Nur einer kommt uns auf die Schliche. Ich fand beide lecker. Aber mich hat der auf dem weißen
Teller eher an Scampi erinnert. Der auf dem schwarzen Teller
schmeckte wie ‘n Shrimp. Richtig, doch allen anderen
fiel der Schummel nicht auf. Nächster Gang:
Seezunge Müllerinnen Art. Gekauft haben wir
diese für knapp 40 Euro. Gegen sie tritt die Rotzunge an –
die kostet nur ein Drittel. Die Rotzunge erkennen wir am
Petersilienstrauch, links im Bild. Was sagen unsere Gäste? Von dem ist wieder
die Konsistenz fester. Der ist fester. Der ist ganz weich. Zwei verschiedene Fische –
so viel ist schon mal klar. Der eine war wieder
von der Konsistenz besser. Welcher war das? Das war der Rechte
ohne die Petersilie. Welcher war besser, mit
oder ohne Petersilie? Ohne. Der ist fester. Der Fisch mit der Petersilie
ist wesentlich trockener. Der zergeht nicht, sondern zerfällt. Der ohne Petersilie
ist saftiger, bissfester und schmeckt einfach besser. Das wäre mein Favorit. Beim Fisch sind sich alle einig:
Die teurere Seezunge überzeugt. Unser Test hat aber auch gezeigt, dass der Gast einen Schwindel
nicht immer bemerkt. Vor allem bei Restaurants
mit billigen Angeboten sollte der Gast zweimal hinschauen. Zurück zu den Hotels. Wie sauber sind die eigentlich? Beim Schlosshotel in Klink
finden wir Flecken am Bett und auf dem Teppich davor. Das ist schon fast eklig. Das ist der Grund,
warum da ausgebessert wurde. Das sind noch die Reste. Von was? Man weiß es nicht. Und unzählige Haare im Bett. Noch ein Haar, noch ein Haar,
noch ein Haar. Dazu noch ein großer gelber Fleck. Wir nehmen das UV-Licht zur Hand. Es zeigt Urinreste und Sperma. Die gibt es reichlich auf dem Boden um die Toilette
und an der Wand. Das Gleiche
in einem weiteren Zimmer von uns. Diese Toilette ist nicht sauber. Die wurde nicht richtig geputzt. Da brauch ich gar keine Lampe für. Die braunen Flecken seh ich auch. Da unten –
scheiße, ich hab angefasst. Im zweiten Zimmer: Spinnweben
und Schimmel in der Dusche. Die haben
ein Problem mit Sauberkeit. Man sieht das überall im Zimmer,
an der Toilette, da unten. Alles, was etwas mehr Mühe macht,
wo man sich recken muss, da sieht’s versifft aus. Auch diese Bilder zeigen wir
dem Sachverständigen Robert Cordes. Ohne Worte, sag ich dazu. Es ist für ein 4-Sterne-Hotel,
auch für ein 1-Stern-Hotel, nicht angemessen. Sauberkeit, Hygiene ist das A und O. Es kann einfach eingerichtet sein,
aber es muss sauber sein. Woran liegt das denn? Häufig sourcen die Hotels
ihr Housekeeping aus. Reinigungsfirmen
schicken Mitarbeiter, die schlecht ausgebildet sind
und keinen Bezug zum Hotel haben. Das Schlosshotel Klink schreibt uns,
bei ihnen sei das nicht der Fall. Sie hätten ein … Sie könnten versichern, dass … Und wie ist es
mit der Sauberkeit im Wyndham? Hier reinigt eine externe Firma. Auf den Möbeln – ziemlich viel Staub. Sauber ist anders. Das Sofa ist voller Hundehaare. Darunter sogar ein alter Hundeball. Und am Fenster
die Spuren der Hundenase. Das ist genau die Höhe. Da ist nicht
richtig saubergemacht worden. Im Bett auch hier fiese Flecken. Das Bad ist ganz okay. Außer die Toilettenbürste. Da hängen noch Reste
der Vormieter dran. Das ist ein No-Go,
das muss saubergemacht werden. Schnell weg. Das Wyndham schreibt uns dazu: Da die Reinigung … Was muss ich als Gast tun,
wenn ich solche Mängel finde? Meine Empfehlung: Zur Rezeption zu gehen,
den Manager aufs Zimmer zu führen und zu sagen,
das geht nicht, das geht nicht. Wie wollt ihr das verändern? Entweder anderes Zimmer
oder jemand kommt und reinigt alles. Und wie sieht’s im Maritim aus? Mit 280 Euro pro Nacht ist es
das teuerste Hotel im Test. Auch hier: Haare im Bett. Hier, hier, hier, hier, hier. Das gibt’s ja wohl nicht. Das ist unfassbar, oder? Alles voll Haare,
als ob sich ein Hund gewälzt hätte. Für mich sind Haare immer ein No-Go,
zumal keiner weiß, ob das Kopfbehaarung
oder andere Behaarung ist. Das möchte man sich
nicht vorstellen. Das Bad ist ungepflegt und alt. Die Dusche verkalkt,
die Heizung total dreckig. Für den Experten
das schlechteste Bad. Das beweist auch das Schwarzlicht. Da kommen richtig …
da leuchten die Sterne. Wie Kunstobjekte. Noch schlimmer am Bidet: Oh. Was ist denn hier los? Das ist definitiv sehr schlecht,
das ist ja gesprenkelt ohne Ende. Das ist heftig. Das Maritim schreibt dazu lapidar: Sie könnten sich die Mängel … Die Zimmer seien … Auch die mangelnde Sauberkeit
im Maritim zeigen wir
dem Deutschen Hotelverband. Sie haben das Hotel 2018
mit Vier Sterne Plus klassifiziert. Das geht gar nicht,
das darf nicht passieren. Diesen Fall werden wir uns angucken
und vor Ort erneut kontrollieren und gegebenenfalls
die Sterne aberkennen. Komisch, bereits 2016 haben wir über das Maritim Seehotel
am Timmendorfer Strand berichtet. Die Zustände waren
auch damals haarsträubend. Doch obwohl wir es
dem Dehoga mitgeteilt haben, hat das Hotel seine Sterne behalten. Die Laborergebnisse sind da. Dr. Georg Kaim,
Laborleiter von PCRlab, wertet sie für uns aus. Insgesamt sind die Zahlen,
die man da erhalten hat, durch die Bank besorgniserregend. Das würde ich so formulieren, weil das einfach viel zu viel ist
pro Quadratzentimeter Fläche. In über 70 Prozent der Proben
haben wir Fäkalkeime gefunden. Nicht nur auf und neben der Toilette, sondern auch auf Telefonen,
Ablageflächen und Türklinken. Wie kommen die dahin? Es gibt ‘ne Art Verteilungseffekt. Die waren ursprünglich
z.B. auf der Toilette und werden von da
über ‘ne Schmierinfektion verwischt. Das bedeutet: Das falsche Reinigungsmittel
oder kein Desinfektionsmittel. Oder man nimmt für alle Bereiche
das gleiche Putzzeug. Und es kommt noch schlimmer. In allen drei Hotels finden wir den Krankheitserreger
Staphylococcus aureus: Zum Teil sogar als MRSA-Keim,
also multiresistent. Was kann schlimmstenfalls passieren? Staphylococcus aureus kann
auf verschiedenen Ebenen wirken. Das kann gehen von Hautinfektion,
also Eitererreger. Das kann ‘ne Lebensmittelvergiftung
sein, weil er ein Toxin bildet. Das kann gehen
bis zur Entzündung des Herzbeutels oder Sepsis,
sprich ‘ne Blutvergiftung. Das Wyndham in Malente
schreibt dazu: Das Schlosshotel in Klink antwortet,
sie würden ihre Mitarbeiter … … belehren. Auch das Maritim teilt mit: Sie würden die Untersuchungen
zum Anlass nehmen … Mein Empfinden ist, dass das mehr wird aufgrund
der finanziellen Strukturen: Weniger Mitarbeiter, weniger Service
und dann entstehen solche Sachen. Weniger Mitarbeiter ist
auch ein Thema in der Gastronomie. Wer sparen will, bietet Fertiggerichte
statt Selbstgemachtem an. Koch Matthias Gfrörer schaut sich
für uns auf der Internorga um, Deutschlands
größter Gastronomie-Messe. Viele Hersteller präsentieren hier
ihre Convenience-Produkte. Gutbürgerliche Küche
gibt es hier fertig in der Tüte. Wir machen Convenience-Produkte. Als Beispiel haben wir eine Roulade,
handgedreht, fertig gegart. Und das geht an? Wir merken, dass die Nachfrage
viel bei der Gastronomie da ist. Denen laufen die Köche weg und
sie müssen ‘ne Alternative finden, um das weiterhin anzubieten. Convenience-Produkte ersetzen
immer öfter das echte Handwerk in Restaurantküchen. Dieser Trend ist für Köche
wie Matthias nicht nachvollziehbar. Warum kauft man sich jetzt
Joghurt mit Salz und Essig? Es ist so ‘ne Sache, wo man sagt,
das kann man doch selber machen. Richtig, viele Kunden machen das
selber, das ist auch gut so. Aber was oft der Fall ist,
dass du Kräftemangel hast. Wir wollen Lösungen bieten, die trotzdem den Charakter haben,
als wären sie hausgemacht. In rund 80 % aller Restaurants
werden Fertigprodukte eingesetzt. Der Gast aber erwartet etwas anderes. Das finde ich nicht gut. ‘n gutes Produkt muss frisch kommen und muss in der Küche
zubereitet werden. Man gibt sich nicht Mühe. Man macht es nur in die Mikrowelle. Das kann ich auch
zu Hause machen. Matthias kocht mit frischen Zutaten. Eine einfache Kartoffelsuppe
ist für ihn schnell gemacht. Trotzdem greifen viele Gastronomen
selbst da zum Fertigprodukt. So kochen, das kann sogar ich. Für mich war das ein Kinderspiel. Aufschneiden, reinmachen,
erwärmen, fertig. Dann muss man die Überzeugung haben,
‘nen Beutel aufzuschneiden. Es ist auch ‘n Kinderspiel, Kartoffeln, Zwiebeln
und Rüben zu würfeln. Warum wird in vielen Restaurants
auf Convenience zurückgegriffen? Es ist die Furcht vor Personaleinsatz
und Wirtschaftlichkeitsfragen. Wenn jemand krank wird,
da hat man mit Menschen mehr Risiko. Für mich ist das ein Handwerksberuf, wo man mit Handanlegung
den Gast verwöhnen muss. Das war kein Handanlegen. Beutel auf und los? Wird in norddeutschen Restaurants
tatsächlich kaum selber gekocht? Matthias und ich
sind wieder unterwegs. Wir gehen in ein Restaurant, das auf Kartoffelgerichte
spezialisiert ist. Wir bestellen Kartoffelrösti
mit Camembert für 10,50 Euro und Kartoffelpuffer für 7,50. Die sind doch selbstgemacht, oder? Diese Rösti sind
eindeutig ein Fertigprodukt. Und die Kartoffelpuffer? Verräterisch: Auch sie haben alle
die gleiche Form. Außerdem sind sie
mit Fett vollgesaugt, wahrscheinlich
frisch aus der Fritteuse. Auf Nachfrage gibt die Kellnerin zu,
dass es ein Fertigprodukt ist. Im nächsten Lokal gibt es Spinat
und Scampi mit Sauce Hollandaise, für 10,50 Euro. Wir fragen beim Servicepersonal. Ist das selbstgemachte
Sauce Hollandaise? Ja, das ist Sauce Hollandaise. Aber die Soße
kommt aus dem Tetra Pak. Können wir das mal sehen? Der Kellner zeigt uns die Verpackung. Statt Butter enthält sie
Pflanzenfett und Zusatzstoffe. Termin beim Dehoga. Wir fragen Anke Büttenbender,
Referentin für Gastronomie, was sie von Fertigprodukten
in Restaurantküchen hält. Der Verband schiebt dem Verbraucher
den Schwarzen Peter zu. Ehrlichkeit steht über allem,
das ist unabdingbar. Die Gastronomen und Hoteliers haben ehrlich
mit ihren Produkten umzugehen. Wenn Convenience-Food
eingesetzt wird, kann man es nicht
hausgemacht nennen. Wenn man Qualität haben will,
dann kostet sie auch Geld. Und wenn ich mich immer nur
mit billigen Dingen ernähre und nur billige Angebote wahrnehme: Dann ist der Trend
unaufhaltbar in die Richtung. Als Laie ist es oft schwierig,
Schummeleien zu erkennen. Das gilt auch bei der Hotelbuchung. Wie buchen Sie Ihre Hotels? Meine Frau bucht die Hotels. Arbeitet die im Reisebüro? Nee. Wie macht die das? Internet. Online. Immer. Weil man einen guten Vergleich hat
und sich Bewertungen anschauen kann. Die sind mir relativ wichtig. Dass das Hotel
möglichst gute Bewertungen hat. Doch kann man sich auf die verlassen? Ich treffe Robert Cordes wieder. Er kennt die Machenschaften
einiger Hoteliers im Netz. Da haben wir Bewertungsplattformen. Sie können durch positive
Bewertungen Ihr Rating verbessern. Man kann gute Bewertungen kaufen? Ja. Das ist kein Problem. Wie gängig ist diese Praxis? Es gibt schwarze Schafe,
die das permanent machen. Dann haben Sie
ein schlechtes Produkt mit einer Weiterempfehlungsrate
über 80 Prozent. Der Gast ist entsetzt,
welche Qualität er vorfindet. Doch wie kommt man
an gekaufte Bewertungen? Schnell werden wir fündig. Eine ganze Reihe von Firmen,
teils mit Sitz im Ausland, bietet so etwas im Netz an. Eine positive Bewertung auf
Buchungs- oder Bewertungsportalen gibt es da schon ab 14,95 Euro. Ist das Fälschen der Bewertungen
wirklich so einfach? Hotelbesitzerin Nicole Hesse
hat für uns das Experiment gemacht. Wie funktioniert das? Ich war sehr überrascht. Ich hab das vorher nie gemacht
und hab mich da angemeldet. Das geht ganz schnell. Auf einer Seite
hab ich nur geschrieben, ich hätte gern
‘ne positive Bewertung. Nach 30 Minuten kam die E-Mail,
dass die Bewertung online ist. Nach nur 1,5 Wochen haben wir
neun gekaufte Bewertungen online. Auf bekannten Internet-Portalen. Die lassen wir wieder löschen. Wir wollten nur zeigen, wie einfach es ist,
Bewertungen zu kaufen. Was halten Sie von dieser Praktik? Ich finde es ‘ne Katastrophe. Man kann gar keinem mehr vertrauen
und weiß gar nicht, was echt ist und was nicht. Sind gekaufte Bewertungen wirklich
nicht von echten zu unterscheiden? Das wollen wir von Ihnen wissen. Eine ist richtig, eine falsch. Lesen Sie beide Bewertungen
und sagen mir, welche die richtige
und welche die falsche ist. “Das Hotel ist auf Amrum
die Top-Adresse. Die Renovierung des Zimmers
hat die gute Atmosphäre noch gesteigert.” Das war die richtige.
Nun kommt die falsche. “Wir haben ein schönes Wochenende
auf Amrum verbracht und uns bei euch wohlgefühlt
die Zimmer sind ganz neu.” Das ist falsch. Warum? Klingt nicht ganz so gestellt. Gefühl. Ich kann’s nicht erklären. Leider falsch. Das ist die echte. Leider falsch. Das ist zu positiv. Wieder falsch. Von zehn Leuten hat nur einer
die gekaufte Bewertung erkannt. Das darf nicht sein. Echte Schweinerei. Wir hatten ‘nen Fall,
wo wir gesagt haben, das kann nicht stimmen,
was hier steht an Bewertungen. Man kann den Bewertungen
nicht mehr trauen. Nö.
Würde ich jetzt auch nicht mehr. Hotels, die mit gefälschten
Bewertungen Verbraucher täuschen. Was sagt der Hotelverband dazu?
Und was macht er dagegen? Die Anbieter,
die in Deutschland agieren, haben wir der Staatsanwaltschaft
zur Kenntnis gebracht. Seitdem hören wir nicht mehr viel. Was tun Sie dagegen, dass Hotels
solche Bewertungen kaufen? Wir informieren unsere Mitglieder, dass solche gekauften Bewertungen
klar illegal sind. Dass man sich damit
auf rechtliches Glatteis begibt, dass man
die Finger davon lassen sollte. Mehr können wir nicht tun. Tricks von Hotels und Restaurants sind für den Gast
meist kaum zu erkennen. Die zuständigen Verbände drücken sich oft
vor ihrer Verantwortung. Das Maritim
am Timmendorfer Strand gab nach unseren Recherchen
selbst seine Sterne zurück. Unser Fazit: Ob Hotel- oder Restaurantbesuch
– es ist ein Glücksspiel. Copyright Untertitel: NDR 2018 Nächste Woche:
Die Tricks bei Bau und Handwerk. So viel läuft schief
auf norddeutschen Baustellen.